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Weniger als ein Prozent. Der Crypto Crime Report 2026 des Analyseunternehmens Chainalysis beziffert den illegalen Anteil am zugeordneten Krypto-Transaktionsvolumen für das Datenjahr 2025 im Wortlaut so: „Our estimate for the illicit share of all attributed crypto transaction volume increased slightly from 2024 but remains below 1%.“

Der größere Teil des illegalen Volumens entfällt nicht auf Bitcoin

Dieselbe Quelle ordnet 84 Prozent des illegalen Transaktionsvolumens Stablecoins zu, nicht Bitcoin: „stablecoins have come to dominate the landscape of illicit transactions, and now account for 84% of all illicit transaction volume“.

Denselben Befund liefert eine unabhängige zweite Quelle. Die viel zitierte Untersuchung der University of Texas at Austin zu Betrugsmaschen vom Typ „Pig Butchering“ hält als eigenes Kernergebnis fest, dass die Täter „the stablecoin Tether over other cryptocurrencies and the Ethereum blockchain over Bitcoin“ bevorzugen. Von 1,7 Billionen US-Dollar Volumen in den erfassten Adressen entfallen 78 Prozent auf Tether. Nach Blockchains aufgeteilt verteilt sich das Ausgangsmaterial auf 8,3 Milliarden US-Dollar bei Ethereum, 2,7 Milliarden bei Bitcoin und 884 Millionen bei Tron.

Wer diese Zahlen als Beleg für die kriminelle Nutzung von Bitcoin anführt, schreibt die Befunde der falschen Kryptowährung zu.

Nachgerechnet: die 2,6-Milliarden-Zahl und ihr Zeitraum

In der Debatte wird der Bitcoin-Anteil dieser Untersuchung – rund 2,6 Milliarden US-Dollar – als Betrag „über drei Jahre“ wiedergegeben und einem legalen Zahlungsvolumen von 700 bis 850 Millionen Dollar im Jahr gegenübergestellt. Die Quelle gibt das anders an.

Griffin und Mei weisen den Betrag als Gesamtzufluss von 4.394 gemeldeten Bitcoin-Adressen aus, im Wortlaut „total inflow of $2,666 million“, und benennen den Zeitraum, über den die Mittel verfolgt wurden, mit „from January 2020 to December 2024“ – also fünf Jahre. Eine Jahresangabe zu diesem Wert enthält das Papier nicht. Wo die Autoren Jahresdurchschnitte bilden, tun sie das für die Ethereum-Seite und nennen die Bezugsjahre ausdrücklich: „This amounts to $27.8 billion per year between 2021-2023, which are the focal years of our sample.“

Auf den Verfolgungszeitraum der Quelle gerechnet sind das rund 533 Millionen US-Dollar im Jahr und damit weniger als der legale Vergleichswert. Selbst auf die drei Schwerpunktjahre der Autoren gerechnet sind es rund 889 Millionen – dieselbe Größenordnung, kein Vielfaches. Der Vergleich trägt die Schlussfolgerung in keiner der beiden Lesarten.

Hinzu kommt, dass er zwei verschiedene Größen gegenüberstellt: Zuflüsse auf Adressen einerseits, Zahlungsvolumen andererseits. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass ihre Summen Doppelzählungen enthalten können, wenn Mittel über mehrere Börsen laufen.

Was diese Zahlen nicht hergeben

Der Wert von unter einem Prozent ist keine Vollerhebung aller Transaktionen. Bezugsgröße ist das zugeordnete Volumen, also im Wesentlichen Zuflüsse zu bekannten, identifizierten Diensten. Nicht zugeordnete Adressen, rein private Überweisungen zwischen Wallets und noch nicht identifizierte illegale Adressen sind darin nicht enthalten. Der Anbieter bezeichnet die absolute Zahl ausdrücklich als Untergrenze und korrigiert seine Jahreswerte in späteren Berichtsständen regelmäßig nach oben. Wie groß diese Zuordnungslücke ist, wird nicht veröffentlicht – deshalb lässt sich auch nicht behaupten, sie sei unerheblich.

Ebenso wenig folgt aus diesen Daten, Kriminalität sei im Kryptoraum ein Randphänomen. Derselbe Bericht weist für 2025 einen absoluten Rekordwert von mindestens 154 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen zu illegalen Adressen aus, maßgeblich getrieben von sanktionierten staatlichen Akteuren.

Belastbar ist die Aussage in dieser Form: Zwischen „unter ein Prozent des zugeordneten Volumens“ und der in der Debatte vorgetragenen Behauptung, der allergrößte Teil der Zahlungen sei illegal, liegt mehr als der Faktor 50. Ein Zuordnungsfehler dieser Größenordnung ist in keinem veröffentlichten Berichtsstand aufgetreten.

Quellen

Chainalysis: Crypto Crime Reaches Record High in 2025 as Nation-State Sanctions Evasion Moves On-Chain at Scale. Crypto Crime Report 2026, 8. Januar 2026. chainalysis.com

Griffin, John M. / Mei, Kevin: How Do Crypto Flows Finance Slavery? The Economics of Pig Butchering. Arbeitspapier, University of Texas at Austin, Fassung vom 12. September 2025. DOI 10.2139/ssrn.4742235

Woher diese Antwort stammt

Diese Seite fasst die Befunde 1 und 2 aus dem Faktencheck „Die öffentliche Begründung der Reform – vierzehn Behauptungen zur Haltefrist nach § 23 EStG, geprüft an den Primärquellen“ zusammen (Peter Rochel, 2026, 43 Seiten, 44 Quellen, CC BY 4.0). Der vollständige Bericht mit allen Fundstellen, Seitenzahlen und Vorbehalten ist dauerhaft zitierbar unter DOI 10.5281/zenodo.21792953 abrufbar. Der Autor ist einer der neun Petenten der Petition 201716; im Verfahren wird die Gruppe durch eine Hauptpetentin vertreten. Der Interessenkonflikt ist im Bericht offengelegt.