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Die Haltefrist schützt vor allem kleine Sparer
Warum eine Abschaffung der Haltefrist vor allem diejenigen treffen würde, die langfristig Vermögen aufbauen möchten
Wer über Bitcoin spricht, denkt oft an Millionäre, Spekulanten oder institutionelle Investoren.
Die Realität sieht jedoch meist anders aus.
Viele Bitcoin-Besitzer investieren keine großen Summen, sondern sparen regelmäßig kleine Beträge. Monat für Monat fließen 10, 25 oder 50 Euro in einen Sparplan – ähnlich wie bei einem ETF oder einem klassischen Fondssparplan.
Für viele Menschen ist Bitcoin kein kurzfristiges Spekulationsobjekt, sondern ein langfristiger Baustein der privaten Vermögensbildung.
Genau diese Gruppe würde von einer Abschaffung der steuerlichen Haltefrist besonders betroffen.
Der typische Bitcoin-Sparer
Nehmen wir Lisa als Beispiel.
Lisa ist 29 Jahre alt, arbeitet als Angestellte und macht sich Gedanken über ihre finanzielle Zukunft.
Sie weiß, dass die gesetzliche Rente allein vermutlich nicht ausreichen wird. Deshalb spart sie regelmäßig.
Jeden Monat investiert sie:
- 100 Euro in einen ETF
- 50 Euro in Bitcoin
Nicht weil sie reich werden möchte, sondern weil sie langfristig Vermögen aufbauen will.
Über zehn oder zwanzig Jahre können selbst kleine Beträge einen erheblichen Unterschied machen.
Genau solche Anleger prägen heute den Kryptomarkt deutlich stärker als das Bild des risikofreudigen Großspekulanten vermuten lässt.
Die meisten Krypto-Anleger investieren kleine Beträge
Verschiedene Studien zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Krypto-Besitzer keine großen Vermögen hält.
Nach Daten der Europäischen Zentralbank besitzen:
- 54 % der Krypto-Halter weniger als 1.000 Euro
- rund 91 % weniger als 20.000 Euro
Die typische Krypto-Position ist also vergleichsweise klein.
Die meisten Anleger sind Privatpersonen, die mit überschaubaren Beträgen sparen und investieren.
Das bedeutet nicht, dass es keine großen Bitcoin-Besitzer gibt.
Aber die große Mehrheit besteht aus normalen Bürgern, die Schritt für Schritt Vermögen aufbauen möchten.
Bitcoin-Sparpläne sind längst Alltag
Noch vor wenigen Jahren war der Kauf von Kryptowährungen kompliziert.
Heute bieten viele Banken, Broker und Kryptoplattformen Sparpläne an, die ähnlich funktionieren wie ETF-Sparpläne.
Bereits ab wenigen Euro pro Monat können Anleger automatisch Bitcoin kaufen.
Das Prinzip ist einfach:
- regelmäßig investieren
- Kursschwankungen ausgleichen
- langfristig Vermögen aufbauen
Für viele junge Menschen ist Bitcoin deshalb zu einem zusätzlichen Sparinstrument geworden – neben Tagesgeld, ETFs oder Aktien.
Die Politik fordert mehr private Vorsorge
Seit Jahren weisen Politiker darauf hin, dass private Altersvorsorge immer wichtiger wird.
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Reformen vorgestellt, um mehr Menschen zum langfristigen Sparen zu motivieren.
Die Botschaft lautet:
Wer finanziell vorsorgen möchte, soll Verantwortung übernehmen und Vermögen aufbauen.
Genau das tun Millionen Bürger bereits.
Viele sparen in ETFs.
Andere sparen in Aktien.
Und manche sparen zusätzlich in Bitcoin.
Deshalb erscheint es widersprüchlich, langfristige private Vorsorge einerseits politisch zu fördern und andererseits ausgerechnet langfristiges Bitcoin-Sparen steuerlich schlechterzustellen.
Was eine Abschaffung der Haltefrist für kleine Sparer bedeuten würde
Für viele Menschen geht es dabei nicht nur um die Steuer selbst.
Die Haltefrist sorgt heute auch für Einfachheit.
Wer Bitcoin länger als ein Jahr hält, kann Gewinne steuerfrei realisieren.
Die Regel ist leicht verständlich.
Würde die Haltefrist entfallen, müsste jeder Verkauf steuerlich berücksichtigt werden.
Das bedeutet:
- mehr Dokumentation
- mehr Nachweise
- mehr Aufwand bei der Steuererklärung
Große Investoren können dafür Steuerberater oder spezialisierte Software nutzen.
Für kleine Sparer bedeutet es zusätzlichen bürokratischen Aufwand.
Die Belastung trifft deshalb oft gerade diejenigen, die nur mit kleinen Beträgen investieren.
Kleine Gewinne werden bereits heute berücksichtigt
Oft wird übersehen, dass das Steuerrecht bereits heute Rücksicht auf kleinere Anleger nimmt.
Private Veräußerungsgeschäfte bleiben bis zu einer Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr steuerfrei.
Wer nur gelegentlich kleinere Gewinne erzielt, wird dadurch bereits entlastet.
Die Haltefrist ergänzt diesen Schutz.
Sie sorgt dafür, dass langfristiger Vermögensaufbau nicht dauerhaft mit steuerlichen Pflichten verbunden bleibt.
Ja, große Anleger profitieren ebenfalls
Zur Wahrheit gehört auch:
Von der Haltefrist profitieren nicht nur kleine Sparer.
Wer große Bitcoin-Bestände hält, profitiert in absoluten Zahlen natürlich stärker.
Dieses Argument wird von Befürwortern einer Abschaffung häufig angeführt.
Es erklärt jedoch nicht, warum ausgerechnet Millionen kleiner Anleger ebenfalls belastet werden sollten.
Wenn das politische Ziel tatsächlich darin besteht, sehr hohe Gewinne stärker zu besteuern, gäbe es dafür gezieltere Instrumente.
Eine pauschale Abschaffung der Haltefrist würde dagegen alle Anleger gleichermaßen treffen – unabhängig davon, ob sie monatlich 25 Euro oder mehrere hunderttausend Euro investieren.
Warum das Bild vom reichen Krypto-Spekulanten oft irreführend ist
Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf spektakuläre Erfolgsgeschichten.
Von Menschen, die früh Bitcoin gekauft haben und heute Millionäre sind.
Solche Fälle existieren.
Sie bilden jedoch nicht die Mehrheit der Anleger ab.
Die meisten Bitcoin-Besitzer sparen regelmäßig kleine Beträge und verfolgen einen langfristigen Anlagehorizont.
Sie handeln nicht täglich.
Sie spekulieren nicht kurzfristig.
Sie versuchen schlicht, Vermögen für die Zukunft aufzubauen.
Genau diese Menschen würden von einer Abschaffung der Haltefrist besonders betroffen.
Fazit
Die Mehrheit der Bitcoin- und Krypto-Anleger sind keine Großinvestoren oder institutionellen Marktteilnehmer.
Es handelt sich überwiegend um Privatpersonen, die regelmäßig kleine Beträge investieren und langfristig Vermögen aufbauen möchten.
Für diese Gruppe bedeutet die Haltefrist mehr als nur einen steuerlichen Vorteil.
Sie schafft Planungssicherheit, reduziert Bürokratie und unterstützt langfristiges Sparen.
Wer private Vorsorge politisch fördern möchte, sollte berücksichtigen, dass viele Menschen Bitcoin heute genau zu diesem Zweck nutzen.
Eine pauschale Abschaffung der Haltefrist würde deshalb nicht in erster Linie einige wenige Großanleger treffen, sondern vor allem die vielen kleinen Sparer, die eigenverantwortlich für ihre finanzielle Zukunft vorsorgen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Zentralbank (Consumer Expectations Survey, 2024)
- Bitkom Research 2025
- Strategy& / YouGov 2025
- Deutsches Aktieninstitut 2025
- extraETF Marktbericht 2025
- Bundesministerium der Finanzen: Reform der privaten Altersvorsorge (2025)
- Koalitionsvertrag 2025
- § 23 Einkommensteuergesetz (Private Veräußerungsgeschäfte)
- Bitcoin-Adoptionsstudie 2026 (Peter Rochel / Oberwasser Consulting, qualitative DACH-Studie)